Welche Rolle können Städte und Weltausstellungen bei der Förderung globaler Nachhaltigkeitsziele spielen? 

Die Stadt der Zukunft gestalten

Städte prägen das Leben der Menschen im 21. Jahrhundert. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt bereits in städtischen Gebieten, und bis 2050 wird dieser Anteil auf fast 70 Prozent steigen. In Städten konzentrieren sich Menschen, Ressourcen, Innovation und kultureller Ausdruck – aber auch Emissionen, Ungleichheiten und systemische Risiken. Aus diesem Grund wird die Zukunft der Nachhaltigkeit nicht allein durch abstrakte Strategien entschieden. Sie wird dort entschieden, wo Menschen leben, sich bewegen und täglich miteinander interagieren: in Städten.

Diese Überzeugung prägte den Club of Rome Salon „Building the City of the Future“, eine Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und dem dem Arts & Nature Social Club, der im Dezember in Berlin stattfand. Der Salon brachte politische Führungskräfte, internationale Institutionen, Stadtplaner, Künstler und die Zivilgesellschaft zusammen, um zu erörtern, wie Städte – und Plattformen wie Weltausstellungen – als Katalysatoren für einen nachhaltigen Wandel wirken können.

Auf städtische Gebiete entfällt der Großteil des weltweiten Energieverbrauchs, des Ressourcenverbrauchs und der Treibhausgasemissionen. Dennoch sind sie auch Orte, an denen der Wandel am schnellsten voranschreitet. Seit der Verabschiedung der Agenda 2030 haben Städte weltweit ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, globale Ziele in lokales Handeln umzusetzen – durch nachhaltige Infrastruktur, integrative Planung, widerstandsfähige Systeme und Bürgerbeteiligung.

Auf dem Salon betonten die Redner, dass eine erfolgreiche städtische Transformation von Empowerment abhängt: Städte dürfen keine passiven Schauplätze der Politikumsetzung sein, sondern müssen aktive Akteure sein, die ihre eigene Zukunft gestalten. Nachhaltige Städte entstehen nicht allein durch Technologie oder Regulierung; sie entstehen durch Dialog, Vertrauen und gemeinsame Verantwortung zwischen öffentlichen Institutionen, Unternehmen und Bürgern.

Publikum

Wie Prof. Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister von Heidelberg und Vorsitzender des UN-Bürgermeisterforums, betonte, erfordern langfristiger Erfolg partizipative Prozesse, ehrgeizige Klimaziele und ein starkes lokales Engagement. Die Erfahrungen Heidelbergs zeigen, wie Klimaneutralität, soziale Inklusion und wirtschaftliche Vitalität gemeinsam angestrebt werden können, wenn die Bürger einbezogen werden und die Städte den Auftrag erhalten, eine Führungsrolle zu übernehmen.

Weltausstellungen als Plattformen für Zusammenarbeit und Vermächtnis

Weltausstellungen dienten in der Vergangenheit als globale Bühnen für Innovation, Kultur und Fortschritt. In den letzten Jahrzehnten hat Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung für ihre Mission gewonnen. Von der Expo 2000 in Hannover – einer der ersten Ausstellungen, die sich ausdrücklich an Nachhaltigkeitsprinzipien orientierte – bis zur aktuellen Expo in Osaka haben sich Weltausstellungen zu Kooperationsplattformen für Bildung, Dialog und Experimente entwickelt.

Dimitri Kerkentzes, Generalsekretär des Bureau International des Expositions (BIE), beschrieb Weltausstellungen als Räume, in denen die Welt „neue Möglichkeiten neu denken“ kann. Über die Präsentation von Ideen hinaus ermöglichen sie grenz- und sektorübergreifende Zusammenarbeit, mobilisieren nationale und lokale Akteure und hinterlassen – wenn sie verantwortungsvoll gestaltet werden – ein bleibendes städtisches Erbe. Weltausstellungen sind kein Selbstzweck; sie sind Instrumente, um den Wandel zu beschleunigen und die Frage zu stellen, welche Zukunft wir gemeinsam gestalten wollen.

In diesem Zusammenhang konzentrierten sich die Diskussionen rund um die Expo 2035 Berlin auf ihr Potenzial als Plattform und nicht als Spektakel: als Möglichkeit, Innovation mit Nachhaltigkeit, globale Ziele mit lokalen Realitäten und visionäres Denken mit politischer Verantwortung zu verbinden. Der Schwerpunkt lag auf den langfristigen Auswirkungen – auf Infrastruktur, Mobilität, klimaneutrale Entwicklung und Bürgerbeteiligung – und nicht auf der Veranstaltung an sich.

Politische Verantwortung und bürgerschaftliches Engagement

Die politische Dimension des städtischen Wandels wurde von Franziska Giffey, Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Unternehmen in Berlin, nachdrücklich hervorgehoben. Sie betonte, dass Nachhaltigkeit konkrete Herausforderungen angehen müsse – bezahlbarer Wohnraum, Mobilität, Klimaneutralität, wirtschaftliche Innovation –, während gleichzeitig Demokratie, Frieden und sozialer Zusammenhalt gestärkt werden müssten. Städte, so argumentierte sie, seien Orte, an denen globale Fragen greifbar würden und an denen sich Lösungen im Alltag bewähren müssten.

Ein wiederkehrendes Thema des Abends war die Bedeutung von Bottom-up-Prozessen. Transformation gelingt, wenn Bürger nicht nur konsultiert, sondern aktiv einbezogen werden; wenn Städte Handlungsfähigkeit besitzen; und wenn verschiedene Interessengruppen über institutionelle und disziplinäre Grenzen hinweg zusammengebracht werden.

Kunst, Kultur und die menschliche Dimension von Städten

Diskussionen über Mobilität und städtische Lebensqualität verdeutlichten, wie sich globale Ambitionen in die alltägliche Realität umsetzen lassen. Katrin Habenschaden, Leiterin der Abteilung Nachhaltigkeit bei der Deutschen Bahn AG und ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt München, betonte aus dem Publikum heraus, dass große Infrastrukturprojekte wie Hauptbahnhöfe zwar notwendig seien, aber für sich genommen keine tiefgreifenden Veränderungen bewirken könnten. Die eigentliche Chance liegt darin, diese Knotenpunkte zu integrierten Mobilitätszentren auszubauen, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander verbinden und den Menschen, die sich in der Stadt bewegen – und dort leben –, besser dienen.

Diese funktionale Perspektive wurde durch eine stärker auf den Menschen ausgerichtete Sichtweise ergänzt. Ein weiterer Redner aus dem Publikum, Heskel Nathaniel, Mitbegründer und CEO der Trockland Management GmbH, erinnerte die Teilnehmer daran, dass die Lebensqualität in Städten letztlich von der Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen abhängt. Über Umweltleistung und technologische Innovation hinaus gewinnen Städte und städtische Projekte an nachhaltigem Wert, wenn sie Räume mit Seele schaffen – Orte, die Verbundenheit, Vertrauen und sinnvolle Interaktion zwischen den Menschen fördern.

Der Salon verband bewusst intellektuelle Debatte, künstlerischen Ausdruck und sinnliche Erfahrung miteinander. Von Metropol Music Berlin kuratierte Weltmusik-Darbietungen und eine Ausstellung mit Skizzen zukünftiger Städte von Studio Schwitalla schufen Räume für Reflexion jenseits der politischen Sprache.

Wie der Gastgeber und Moderator des Salons, Jörg Geier, betonte, sind Kunst und Kultur keine optionalen Zusatzelemente der Stadtentwicklung, sondern wesentliche Bestandteile der Stadt der Zukunft. Sie tragen dazu bei, emotionale Bindungen, gemeinsame Erzählungen und die Fähigkeit zur Vorstellung von Alternativen zu schaffen – ohne die ein Wandel nicht gelingen kann.

Bei der Zusammenfassung des Abends stachen mehrere zentrale Erkenntnisse hervor: die Notwendigkeit gemeinsamer Träume, gestärkter lokaler Akteure, bürgerorientierter Mobilität und starker Beziehungen.


Franziska Giffey, Dimitri Kerkentzes, Prof. Dr. Eckart Würzner

Zu den Referierenden

Franziska Giffey ist seit April 2023 Senatorin für Wirtschaft, Energie und Unternehmen des Landes Berlin (und stellvertretende Bürgermeisterin). Von 2018 bis 2021 war sie Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in der Regierung von Angela Merkel. Zuvor war sie Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln (20152018).

Dimitri Kerkentzes ist Generalsekretär des Bureau International des Expositions (BIE). Seit 2009 war er als Berater des Generalsekretärs und Stabschef tätig, bevor er 2015 zum stellvertretenden Generalsekretär ernannt wurde. In dieser Funktion leitete er die Einrichtung des World Expo Museum und die Einleitung von Wirkungsstudien zu Welt- und Fachausstellungen.

Prof. Dr. Eckart Würzner ist Oberbürgermeister von Heidelberg und bekleidet dieses Amt seit 2006, wobei er sich für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Stadtentwicklung einsetzt. Als globale Stimme der Städte engagiert er sich in Netzwerken wie C40 Cities, ICLEI und dem Bürgermeisterkonvent in Europa. Mit seinem Hintergrund in Geografie und Umweltberatung verbindet er akademisches Fachwissen mit politischer Führungskompetenz.

Fotos: Matthias Gottwald (Der Gottwald) and Luk Marx

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